It´s an Endless Summer

 

Um ihr Publikum in den USA zurückzugewinnen, verzichtete die Band ab 1973 auf die Veröffentlichung neuer Alben und gab statt dessen viele Konzerte in ihrer Heimat. Nachdem Blondie Chaplin bereits im selben Jahr während eines Auftritts entlassen worden war, verließ ein Jahr später Ricky Fataar die Band, da er nicht ständig auf Tournee sein wollte. Dennis Wilson hatte in den Jahren 1972 bis 1974 viele Konzerte ausgelassen oder auf der Bühne das Klavier gesielt und kehrte nach Fataars Rückzug wieder ans Schlagzeug zurück. Zudem schrieb er in dieser Zeit ständig neue Lieder, von denen einige von den Beach Boys live dargeboten wurden und arbeitete mit Darryl Dragon an seinem ersten Soloalbum.

 

Zur selben Zeit wollte Capitol Records, die ehemalige Plattenfirma der Band, eine weitere Kompilation mit Beach-Boys-Hits veröffentlichen. Gemeinsam mit Mike Love erarbeiteten sie eine Titelliste für ein Doppelalbum der Hits von 1961 bis 1965. Love wählte Endless Summer als Namen für dieses Album. Diese Zusammenstellung erreichte in den USA den ersten Platz der Billboard-Charts und wurde zur ersten Veröffentlichung seit Good Vibrations, die sich millionenfach verkaufte. Insgesamt verblieb das Album drei Jahre in den Charts.

Sofort nach diesem Erfolg veröffentlichte Capitol mit „Spirit of America“ eine weitere Hitzusammenstellung, die sich ebenfalls sehr gut verkaufte. Die Gruppe wurde so einer neuer Fangeneration zugänglich, was wiederum zu ausverkauften Konzerten führte. Mit dem Erfolg von Endless Summer und der Auszeichnung zur „Band des Jahres 1974“ durch das Musikmagazin Rolling Stone wurde gleichzeitig Brian Wilsons Rückkehr proklamiert. Dieser begann wieder mit der Band zu arbeiten und neue Lieder zu schreiben. Zum 15-jährigen Bandjubiläum 1976 brachte die Band mit Rock and Roll Music eine Single auf Platz 5. Auch das Album 15 Big Ones, das wieder allein von Brian Wilson produziert wurde, landete in den Top 10. Im selben Jahr stieß die von Capitol Records für Europa produzierte Hit-Zusammenstellung 20 Golden Greats auf Platz 1 in England vor.

 

Brian Wilson trat wieder vermehrt bei Konzerten in Erscheinung. Das nächste Album The Beach Boys Love You von 1977 enthielt ausschließlich neue Kompositionen von ihm, der im Studio zudem fast sämtliche Instrumente selbst einspielte. Da Mike Love und Al Jardine zu diesem Zeitpunkt bereits mit anderen Plattenfirmen über einen Vertrag verhandelten, bewarb Warner Bros Love You kaum, weswegen der Verkauf hinter den Erwartungen blieb.

Seit Mitte der 1970er-Jahre war es verstärkt zur Gruppenbildung innerhalb der Band gekommen: Jardine und Love bildeten als Anhänger der Transzendentalen Meditation eine Fraktion, die Wilson-Brüder Dennis und Carl die andere. Die musikalischen Ansichten innerhalb der Band drifteten auseinander: Carl und Dennis Wilson wollten mit neuen Songs im Stil von Smile die Karriere der Band vorantreiben, während sich Mike Love und Al Jardine auf die Erfolge der Best-of-Alben beriefen und vermehrt Lieder kreieren wollten, die wie ihre Hits klangen. . Im September 1977 stand die Trennung der Band im Raum, bis schließlich Love und Jardine die Führung übernahmen. Dies passierte auch dadurch, dass Brian Wilson sein Stimmrecht an Mike Love übertrug, was Love und Jardine nun dazu bemächtigte, die beiden Wilson Brüder jederzeit zu überstimmen.

 

In dieser zeit, veröffentlichte Dennis Wilson sein erstes Soloalbum Pacific Ocean Blue, während Carl Wilson versuchte, seine Drogenprobleme zu bewältigen.

 

Love und Jardine arbeiteten Ende 1977 gemeinsam mit dem Tournee-Musiker Ron Altbach am Album M.I.U., das an der Maharishi Institute University in Fairfield (Iowa) aufgenommen wurde. Zeitgleich arbeiteten sie auch an einem neuen Weihnachtsalbum, welche einige Stücke von MIU mit weihnachtlichem Text beinhaltete. Das Weihnachtsalbum boten sie schließlich Epic Records zur Veröffentlichung an, was von diesen abgelehnt wurde (was auch für den Geschmack der Leute bei Epic spricht). Dennis und Carl ließen den größten Teil der Aufnahmesessions zu beiden Werken aus.

 

MIU wurde schließlich als letztes Album von Warner Bros veröffentlicht. Die Verkaufszahlen waren niedrig, das Liedmaterial schwach, und das Album verschwand nach wenigen Wochen aus den Verkaufsregalen. Dieses Fiasko stärkte den Einfluss der Wilson-Brüder, die wieder vollends zur Band zurückkehrten. Die Beach Boys unterschrieben einen neuen Plattenvertrag mit Caribou Records/CBS. Caribou Records war die Plattenfirma von William James Guercio.

 

Um die Streitigkeiten zu minimieren, beschlossen sie, zum ersten Mal mit einem externen Produzenten zusammenzuarbeiten. Die Beach Boys einigten sich auf ihren früheren Bandkollegen Bruce Johnston, der das folgende Album gemeinsam mit Guercio produzieren sollte. Das Ergebnis war „Light Album“, der wohl größte Kompromiss in der Bandgeschichte, der allerdings alle Mitglieder beteiligte und zu Wort kommen ließ. Obwohl die erste Reaktion des CBS Präsidenten sehr negativ war („Meine Herren, wollen Sie mich zum Narren halten?“ schafften es insgesamt vier Singles in die Charts. Darunter mit „Lady Linda“ – einer Hommage von Alan an seine Frau – auf Platz 6 in England.

 

Ein Jahr später veröffentlichten sie ein weiteres Album, das nun vollends von Bruce Johnston produziert wurde, welcher stillschweigend wieder festes Bandmitglied war. „Keeping the summer alive“ hatte höhere Verkaufszahlen vorzuweisen und war das letzte gemeinsame Album der originalen Beach Boys. Obwohl Dennis Wilson nur auf einem einzigen Lied vertreten ist. Die Beach Boys hatten Dennis eine Zeit lang aus der Band mehr oder minder suspendiert, da sie mit seiner immer stärker werdenden Alkohol- und Drogensucht nicht mehr zurecht kamen.

 

Die Beach Boys stellten neue Projekte wieder hinten an und gingen auf die finanziell viel lukrativeren Tourneen. Mike Love wollte vermehrt bei Oldie-Shows auftreten, was Carl Wilson überhaupt nicht zusagte. Carl war auch unzufrieden da seine Bandkollegen kaum noch Proben abhalten wollten. Er wollte zudem den Sound der Band etwas moderner machen. Er stieß allerdings auf taube Ohren. Carl stieg deshalb eine Zeit lang aus der Band aus um sich auf eine Solokarriere zu konzentrieren. Er veröffentlichte hierbei zwei Alben. Ersetzt wurde er durch den Musiker Jeffrey Foskett. Auch Mike Love veröffentlichte ein eigenes Soloalbum das allerdings unbeachtet blieb.

 

 

1981 brachte Capitol Records ein Beach Boys Medley als Single auf den Markt. Dies erreichte einen beachtlichen 12 Platz in den Billboard-Charts.  die nachfolgende Single der Beach Boys – Come Go With Me – erreichte Rang 18.

Ab 1980 gaben die Beach Boys in Washington jährlich zum Unabhängigkeitstag ein großes Konzert, was ihnen 1983 von Innenminister James Watt untersagt wurde und der Band viel Publicity in den Medien brachte. Ein weiteres Mal waren sie verstärkt in den Schlagzeilen, als der Tod von Bandmitglied Dennis Wilson mitgeteilt wurde, der im Dezember 1983 bei einem Tauchunfall ums Leben kam. Am 4. Juli 1984 spielten sie vor über 700.000 Menschen erneut in Washington.

 

Brian Wilson begann aufgrund seiner Probleme eine Therapie, was die Band veranlasste, nach neuen musikalischen Partnern zu suchen. Auf Vermittlung von Bruce Johnston begannen sie eine Zusammenarbeit mit dem Produzenten Terry Melcher. Mike Love schrieb mit ihm zusammen das Lied Getcha Back, das 1985 mit Platz 26 ein Hit wurde. Das folgende Studioalbum The Beach Boys 1985 – das von Steve Levine produziert wurde - schaffte es in die Top 50 und war das letzte Album beim Label Caribou Records, das seinen Betrieb einstellte. Die Beach Boys somit keinen Plattenvertrag mehr und arbeiteten projektbezogen.

 

Über Capitol Records konnten die Beach Boys 1986 zwei Singles veröffentlichen welche von Terry Melcher produziert wurden. Diese schafften es zumindest in die Top100 der Charts. 

 

1987 landeten die Beach Boys mit Wipe Out zusammen mit The Fat Boys auf beiden Seiten des Atlantiks einen großen Hit. Das Lied kam in Großbritannien bis auf Rang 2. Zum Zeitpunkt, als Brian Wilson seinen endgültigen Abschied aus der Band bekannt gab, um sein Soloprojekt voranzutreiben, hatten die verbleibenden Mitglieder mit Kokomo in den USA und Australien einen unerwarteten Nummer-eins-Hit. Das Lied avancierte zum meistverkauften Lied ihrer Karriere.  Capitol Records bot ihnen darauf einen Vertrag für ein neues Album an. Still Cruisin, so der Titel, wurde erneut ein Top-50-Album und erhielt eine Goldene Schallplatte. Wieder wurde die Band bei einer neuen Generation populär und beschränkte sich fortan darauf, zu einer reisenden „Oldies-Band“ zu werden.

 

Das nächste Studioalbum Summer in Paradise aus dem Jahr 1992 musste die Gruppe über ihre eigene Plattenfirma Brother Records veröffentlichen. Die eigens dafür gegründete Vertriebsfirma musste danach Konkurs anmelden Trotz Werbung in diversen Fernsehserien, in denen die Beach Boys als Gaststars auftraten wurde das Album zum kaum beachteten Ladenhüter. Die Band trennte sich von Terry Melcher. Zu diesem Zeitpunkt wurden sie stimmlich bereits von Matt Jardine unterstützt, dem ältesten Sohn von Alan Jardine, der live die Falsettpassagen sang und zum halboffiziellen Bandmitglied wurde. Im Herbst 1995 wollten die Beach Boys mit Brian Wilson ein gemeinsames Studioalbum aufnehmen. Wilson arbeitete zu diesem Zeitpunkt mit Andy Paley als Partner, was den anderen Beach Boys nicht zusagte. Sie nahmen gemeinsam die Stücke „Soul Searching“ und „You are still a mystery“. Während den Aufnahmen zu „Dancing the night away“ verließ Carl Wilson wortlos das Studio und das Albumprojekt war somit gestorben.

 

Als Kompromiss veröffentlichte die Band – mit Brian Wilson – das Album Stars and Stripes Vol. 1, auf dem diverse Country-Gaststars die früheren Hits der Band interpretierten und die Beach Boys den Harmoniegesang beisteuerten. Das Album verfehlte knapp die Top 100, fand in der Country-Szene jedoch Beachtung.

1996 bot Virgin Records den Beach Boys einen Plattenvertrag für ein Album an. Bedingung von Virgin war, dass das Album von Sean O’Hagen und Brian Wilson gemeinsam produziert würde und 80 % des Liedgutes aus Brian Wilsons Feder stammen musste. Da seine Beteiligung nicht garantiert werden konnte, kam es nicht zum Vertragsabschluss. Im selben Jahr wurde das Album Pet Sounds vom Mojo Magazin zum besten Album aller Zeiten gewählt.

 

1998 starb Carl Wilson an Krebs. Dies markierte das unausgesprochene Ende der Beach Boys